Oder: Wie erlange ich mit Frechheiten Aufmerksamkeit und wirksame PR ohne meine wirkliche Zielgruppe zu beleidigen?
Wer schon einmal Ryanair geflogen ist, der/die weiß: Es gibt nichts schlimmeres. Die Dienstleisterwüste erfährt hier mehr als nur ihren Ursprung - man kann entspannt von der Ursuppe des schlechten Supports sprechen: Der Komfort ist eine Katastrophe, der Service nicht existent und wehe es gibt mal Probleme mit der Buchung. Kunden ist das aber egal. Denn wer mit der Airline fliegt, der weiß woran er ist und schließlich ist das einzige was zählt der Preis.
Daran wurde ich letzte Woche wieder erinnert, als ich im Radio vom Wahnsinns PR Stunt gehört habe, den die Öffentlichkeitsbeauftragten der irischen Fluggesellschaft Ryanair gerade hingelegt haben. In den Nachrichten (!!) und folgerichtig auch in sämtlichen Onlineportalen (nochmal: !!) wurde erwähnt, dass bei Ryanair ab sofort übergewichtige Passagiere mehr zahlen sollen und außerdem das Personal zum Abnehmen verpflichtet wird. So sollen die Ladung des Fliegers reduziert und damit Kerosinkosten gespart werden. Genial oder?

Auf einer offiziellen Pressekonferenz bezieht der PR-Chef Stephen McNamara des irischen Unternehmens klar Stellung: „Wir sparen, wo es nur geht. Die Änderungen werden zu einer signifikanten Verringerung des Gewichts führen“, erklärte der Sprecher gegenüber der Zeitung „Sun“. Zudem überlege die irische Fluggesellschaft, die Armlehnen zu entfernen. Man habe sich aber doch dagegen entschieden, so McNamara weiter.
Des Weiteren sorgten die Punkte "Extra-Steuer für füllige Passagiere", "Stehplätze" und "weniger Toiletten" für enormen Gesprächsbedarf seitens der empörten Kundschaft und der europaweiten Medienvertreter. Als kleines Schmankerl und als Zeichen, dass man es ernst meint, wurden die Gepäckpreise bereits mehr als verdoppelt! Für einen 20-Kilo-Koffer können nun bis zu 105 Euro fällig werden. Werden die Gesprächstücke vorher per Internet angemeldet, wird es aber deutlich billiger.
Natürlich geht es dabei nicht um die lächerlichen paar Kilos, die die Mitarbeiter/Fluggäste mehr oder weniger auf die Waage bringen. Es geht um ein wahnsinnig effektives Branding. Der Geschäftsführer hält dafür in den offiziellen Pressemitteilungen sogar selbst den Kopf hin. Hut ab, für die konsequente Linie und das Markenimage.
Mögliches Fazit:
Ryanair ist für mich eine der am stringentesten geführten Marken die ich kenne. Denn sie steht immer für das gleiche. Ob vom Corporate Design, von den Flugzeugen oder von der PR. Ryanair ist nicht günstig, sondern BILLIG. Ryanair ist sogar so aggressiv billig, dass jeder der der Fluggesellschaft vorwirft keine gute Qualität zu bieten, belächelt werden muss, weil er nicht verstanden hat worum es der Marke geht. Ob man freiwillig einen Fuß in eine der o.g. Maschinchen setzen sollte bleibt natürlich jedem selbst überlassen - der Geist ist frei; die Lebensversicherung bezahlt.
Weiterhin viel Erfolg im Netz der Welt wünscht Ihnen






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